Auf nach Santa Marta !

Die COP30 ist vorbei, die Ernüchterung ist groß. Die Blicke richten sich immer mehr auf Bewegungen und Events außerhalb der Klimagipfel, so zum Beispiel auf die International Conference on the Transition Away from Fossil Fuels Ende April in Santa Marta in Kolumbien.

Was die Ölförderung anrichtet

Hier liegt mein jüngster Sohn. Er wurde nur zwei Tage alt.“ Es sind solche Begegnungen mit mestizischen Bauern oder Indigenen, die einem unter die Haut gehen. Meine Recherchereisen für die ASTM führten mich etliche Male in den Amazonasregenwald im Osten Ecuadors. Hier – im sogenannten „Oriente“ – wird seit einem halben Jahrhundert Öl gefördert; die Sterblichkeit bei Neugeborenen ist hier erhöht, Fehlgeburten geschehen zweieinhalbmal so oft wie in der Hauptstadt Quito, und das Risiko, an Krebs zu sterben, ist dreieinhalbmal höher als in Quito.

In dem feuchtheißen Klima rosten Pipelines schnell; jede Woche bricht irgendwo im Oriente ein Rohr. Das herausschießende Öl enthält krebserregende Kohlenwasserstoffe, Schwermetalle und radioaktive Elemente; manchmal gerät es in Brand; Schwefeldioxid kann Lungen- und Kehlkopfkrebs und Missbildungen bewirken.

Bei der Förderung tritt Formationswasser mit aus: ein salziges Gemisch aus Öl, Wasser und Schlamm, das Zyankali, Quecksilber, Blei, Arsen und radioaktive Elemente enthält. Die Ölfirma Texaco, die ab 1964 eine Konzession erhielt, ließ es einfach in ausgehobene, nicht isolierte Becken einlaufen.

Mit dem Öl strömen u.a. auch Methan, Schwefeldioxid und Kohlenmonoxid aus dem Boden aus, die zu Kopfschmerzen, Erbrechen, Reizungen, Lungenkrebs, körperlichen Missbildungen, Ohnmacht, Lähmungen und Herz- und Hirnschäden führen können.

Versuch, eine piscina zu säubern. Aus weit über 1000 solcher sogenannten piscinas sickert seit über 50 Jahren giftiger Brei langsam in die Erde und Bäche. ©Dietmar Mirkes/ASTM

Die Bewohner des Oriente schlossen sich 1994 zur “Frente de Defensa de la Amazonia” (FDA) zusammen; über 30.000 Siedler und Indigene verklagten Texaco; ASTM unterstützte jahrelang die Frente. Im Jahr 2001 schluckte Chevron Texaco. Die beiden Anwälte Pablo Fajardo aus Ecuador und Steven Donziger aus den USA erreichten für die Frente am Obersten Gerichtshofs von Ecuador im Prozess gegen Chevron 2011 das Urteil, dass Chevron über 9,6 Mrd. $ Strafe zur Behebung der Schäden an Mensch und Umwelt zahlen müsse; bis heute hat Chevron keinen Cent bezahlt.[i]

Im Gegenteil: Chevron reichte eine Klage gegen das Land im Rahmen eines Investor-Staat-Streitbeilegungsverfahrens (ISDS) ein und forderte seinerseits von Ecuador über 3 Mrd. $. Im Dezember 2025 gab die ecuadorianische Generalstaatsanwältin Diana Salazar Méndez schließlich bekannt, dass die Regierung bereit ist, dem Unternehmen „nur etwa 220 Millionen Dollar” zu zahlen.[ii] Allerdings fordert, unter anderen, der Anwalt Steven Donziger den Präsidenten Noboa auf, diese Entscheidung vollständig abzulehnen, da private Schiedsgerichte keine Autorität über öffentliche Berufungsgerichte haben. ISDS erweist sich wieder mal als die Fortsetzung kolonialer Kanonenbootpolitik mit juristischen Mitteln…[iii]

Bohrloch und Gasflamme im Oriente. Weltweit fackeln Ölfirmen das Methan aus Kostengründen einfach ab. Seit dem 5. 2.26 sind routinemäßiges Entlüften und Abfackeln im Öl- und Gassektor der EU verboten. Dadurch sollen jährlich Millionen Tonnen Methanemissionen vermieden werden. (InfluenceMap, n.d., aufrufbar unter www.influencemap.org) © Dietmar Mirkes/ASTM

Dass die Situation im Oriente kein bedauerlicher Einzelfall ist, sondern die Regel darstellt, belegt eine aktuelle Studie von Amnesty International:

Basierend auf Fallstudien aus Brasilien, Kanada, Kolumbien, Ecuador, Senegal und Nigeria schätzen die Autoren, dass weltweit knapp eine halbe Mrd. Menschen im Umkreis von weniger als einem km an Infrastrukturen für fossile Brennstoffe leben; zwei Mrd. Menschen leben im Umkreis von fünf km. Diese räumliche Nähe ist unter anderem verbunden mit erhöhten Risiken von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bronchitis, Asthma, negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit (angeborene Fehlbildungen, niedriges Geburtsgewicht, Frühgeburten), Angstzuständen und Depressionen. Die Studie endet mit dem Appell, die Produktion, Nutzung und Subventionierung fossiler Brennstoffe dringend zu beenden und gleichzeitig erschwingliche und nachhaltige Energie für alle sicherzustellen. [iv]

Carbon bombs und Klimasaboteure

Zusätzlich zu diesen unmittelbaren Auswirkungen auf das Leben der „Nachbarn“ fossiler Infrastrukturen kommen die Folgen für das globale Klima. Die Verfasser der Studie „Carbon Bombs“ bezeichnen als „Kohlenstoffbomben“ 601 Projekte, die während ihrer verbleibenden Lebensdauer jeweils über eine Gigatonne CO₂ (1 GtCO₂) erzeugen werden. Dazu kommen 1979 neu seit 2021 genehmigte große Öl- und Gasfelder und 364 neue große Kohlebergwerke, also zusammen 2343 neue Projekte zur Förderung fossiler Brennstoffe, bei deren Verbrennung insgesamt mehr als 1.400 Gigatonnen CO₂ emittiert werden.[v] Allerdings beträgt das verbleibende Kohlenstoffbudget in der Atmosphäre nur noch 130 Gigatonnen CO₂, um die globale Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau unter +1,5 °C zu halten. Also werden diese neuen Projekte für insgesamt elfmal mehr Emissionen als der noch verbleibende Platz in der Atmosphäre verantwortlich sein.

Die fünf weltweit aktivsten fossilen Firmen sind: TotalEnergies SE (mit 154 Projekten), China National Offshore Oil Corporation (148), Eni SpA (146), BP plc (121) und Shell plc (112). Die fünf meisten Emissionen stammen von Saudi Arabian Oil Company (Saudi Aramco, 85,71 Gt CO₂), CHINA Energy Investment Group (79,36 Gt CO₂), National Iranian Oil Company (NIOC, 37,75), PJSC Gazprom (Russia, 30,4 Gt CO₂) und Shandong Energy Group (China, 28,1 Gt CO₂).

Für die riesigen Investitionen, die für solche Projekte nötig sind, stellten drei US-amerikanische (JPMorgan Chase, Citigroup, Bank of America) und zwei japanische Großbanken (Mizuho Financial, Mitsubishi UFJ Financial) die meisten Kredite. Noch viele weitere Banken sind in diesem lukrativen Geschäftsfeld tätig und viele von ihnen haben auch Niederlassungen am Luxemburger Finanzplatz.

Von den 65 größten Banken wurden zwischen 2021 und 2024 1,6 Billionen US-Dollar an die fossilen Träger der oben genannten carbon bombs vergeben. Offensichtlich kümmern sich Unternehmen und Banken überhaupt nicht um Entscheidungen der Staaten auf den Klimagipfeln; leider trifft dies aber auch auf viele Staaten zu:

Obwohl sich die Regierungen auf der COP28 darauf geeinigt haben, in diesem Jahrzehnt den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu vollziehen und die Maßnahmen zu beschleunigen, planen sie immer noch in der Summe, im Jahr 2030 mehr als doppelt so viel fossile Brennstoffe zu produzieren – +120 % – als mit den Zielen für ein lebenswertes Klima vereinbar wäre.[vi]  Und auch unter den kürzlich im Rahmen des Pariser Abkommens eingereichten national festgelegten Beiträgen (NDCs) enthält praktisch keiner Pläne zur Drosselung der Öl- und Gasförderung.

Unter ihnen stechen vier Industriestaaten als „Klimasaboteure“ besonders hervor: USA, Kanada, Australien und Norwegen.[vii] Seit der Verabschiedung des Pariser Abkommens im Jahr 2015 haben sie ihre Öl- und Gasproduktionen zusammen um fast 40 Prozent gesteigert. Ohne diese vier sank die weltweite Öl- und Gasproduktion seit der Verabschiedung des Pariser Abkommens im Jahr 2015 bis 2024 – noch zu wenig, aber immerhin!

Der Anstieg der Öl- und Gasproduktion der vier Klimasaboteure im Vergleich zu allen Staaten, © OilChange International: Planet Wreckers, October 2025

 

Klimaschutz im Schneckentempo

Die Lobbyisten der fossilen Industrie bilden – noch vor den Delegationen der einzelnen Vertragsstaaten – die größte Delegation auf den Klimagipfeln: auf der COP28 in Dubai, der COP29 in Baku und der COP30 in Belém waren es jeweils an die 1500; man macht untereinander Geschäfte und sorgt dafür, dass die Staaten keine geschäftsschädigenden Beschlüsse fassen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es 28 Jahre brauchte, bis der Begriff „fossil fuels“ überhaupt einmal in einem Gipfeldokument auftauchte. Auf der COP29, anno 2024, war er schon wieder verschwunden, aber dafür tauchten Gas als „Übergangstreibstoff“ und Carbon Capture and Storage (CCS) als Teil der Lösung des Klimaproblems auf (also das Einfangen des Kohlenstoffs aus der Atmosphäre und sein Verstauen in der Erde); so wurde die COP29 zur „COP der falschen Lösungen“.

Auf dem Vorgipfel zur COP30 im Juni 2025 in Bonn kam er auch nicht vor, aber dafür immerhin der Begriff „just transition“. Auf der COP30 im Dezember 2025 in Belém nahmen zwar die USA als historisch größter Emittent von Treibhausgasen gar nicht mehr teil, doch das Prinzip der Einstimmigkeit gab und gibt den übrigen Petrostaaten faktisch ein Vetorecht gegen alle Formulierungen zum Ausstieg aus den fossilen Energien. Dennoch konnten die globale Zivilgesellschaft und die G77 + China (mit über 130 Staaten des Globalen Südens) durchsetzen, dass im Abschlussdokument, dem „Belém Political Package“, der Beschluss festgehalten wurde, einen „Just Transition Mechanism“ zu entwickeln, also einen Mechanismus zum gerechten Übergang von den fossilen zu erneuerbaren Energien.

Viele Staaten aber verlieren die Geduld mit dem viel zu langsamen Tempo der Klimagipfel und dem Zwang zur Einstimmigkeit. Ralph Regenvanu, Minister für Klimawandel, Energie, Umwelt und Katastrophenschutz des pazifischen Inselstaats Vanuatu, brachte in Belém die Stimmung vieler auf den Punkt: „Das Ergebnis enthält keinen klaren Fahrplan für den Umgang mit fossilen Brennstoffen, mit den Zeitplänen, Gerechtigkeitsprinzipien und Finanzmitteln, die wir für den Übergang benötigen. … Der Internationale Gerichtshof hat klargestellt, dass es sich um eine rechtliche Verpflichtung handelt. Initiativen wie der Vertrag über fossile Brennstoffe sind entscheidend, um die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.“[viii]

Ralph Regenvanu, Minister für Klimawandelanpassung, Vanuatu, hält eine Rede beim hochrangigen Rundtischgespräch zum Thema „Gerechter Übergang”. © UN Climate Change, Diego Herculano, CC BY-NC-SA 4.0

Um diesen Ausstieg einzulösen, kündigte Irene Vélez Torres, Kolumbiens Ministerin für Umwelt und Nachhaltige Entwicklung, die Santa Marta-Konferenz Ende April 2026 an, mit der Absicht „rechtliche, wirtschaftliche und soziale Wege zu identifizieren, die für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen erforderlich sind.“[ix]

Vom 24.- 29.4.2026 organisiert Kolumbien in Santa Marta/Colombia die „Internationale Konferenz zum gerechten Übergang weg von fossilen Brennstoffen“; die niederländische Umweltministerin hat zugesagt, dass ihr Land co-host sein wird. Kolumbien realisiert eine progressive Klimapolitik und hat entschieden, keine neuen Lizenzen für fossile Projekte mehr herauszugeben.[x]

Die Konferenz soll die internationale Zusammenarbeit beim Ausstieg aus der Förderung fossiler Brennstoffe im Einklang mit der „Erklärung von Belém über den gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen“ der COP30 vorantreiben.[xi]

Aus Europa haben Österreich, Belgien, Zypern, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Island, Irland, Luxemburg, Monaco, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, Großbritannien und die Türkei diese Erklärung unterstützt, ebenso viele pazifische Inselstaaten.

Im Mittelpunkt der Santa Marta-Konferenz sollen die Überwindung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von fossilen Energien, die Veränderung von Angebot und Nachfrage und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit, und des Multilateralismus stehen: Wie können Staaten ihre fiskalische Abhängigkeit vom Export von Öl, Gas oder Kohle verringern, ohne sich noch mehr zu verschulden? Wie kann man beim Umstieg auf die Erneuerbaren seine Energiesicherheit behalten, ohne auf neue Formen des Extraktivismus angewiesen zu sein? Wie lassen sich Lizenzen für neue Konzessionen für Exploration und Förderung vermeiden? Wie kann man Stilllegungen kontrolliert organisieren? Wie kann man auf der Nachfrageseite Mittel für Subventionen fossiler Energien in Investitionen in erneuerbare Energien umwidmen? Wie kann man Widerstände gegen die Energiewenden durch internationale Zusammenarbeit auf nationaler und globaler Ebene verringern und Hindernisse wie zum Beispiel die ISDS-Verfahren verringern oder beseitigen?[xii]

Irene Vélez Torres (Mitte, im orangenen Kleid) kündigt in Belém am 21.11.25 die Santa Marta-Konferenz an. © Crispim Khisetje, UN Climate Change Conference, COP30.

Die Konferenz findet in zwei Phasen statt: Vom 24. bis 27.4.26 werden von Interessengruppen thematische Arbeitsgruppen organisiert, die in separaten Dialogräumen für die Wissenschaft, zivilgesellschaftliche Organisationen (NGOs und Gewerkschaften), den privaten Sektor, subnationale Regierungen sowie für eine Volksversammlung stattfinden. Die Konferenz an sich, den Fortschritt ihrer Vorbereitung und auch eigene Ideen einbringen ist online möglich.[xiii]

Anschließend, vom 28.-29.4.2026, kommen im „hochrangigen Segment“ Minister, hochrangige Vertreter subnationaler Regierungen sowie Sprecher und Vertreter verschiedener Interessengruppen zusammen. Die Ergebnisse der Santa Marta-Konferenz werden in die Vorbereitungen des nächsten Klimagipfels, der COP31 vom 9. – 20.11.2026 im türkischen Antalya einfließen.

 

Unter starkem Beifall der Delegierten erklärte der Sitzungspräsident André Corrêa do Lago der COP30 auf dem Schlussplenum am 22.11.2025, Brasilien würde die Themen „Ausstieg aus den fossilen Energien“ und „Stop der Entwaldung der Regenwälder“ bis zum nächsten Gipfel weiter ausarbeiten, und begrüßte die Initiative Kolumbiens. © Screenshot: Closing plenary of the UN Climate Change Conference, UN Web TV livestream, 21 Nov 2025.

 

Ein Vertrag zur Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe

Hinter der Initiative Kolumbiens steht eine große globale Bewegung: die Kampagne für einen Vertrag zur Nichtverbreitung fossiler Brennstoffe (Campaign for a Fossil Fuel Non-Proliferation Treaty).[xiv] Sie ist ein globales Netzwerk von über 18 Staaten, 140 Städten und subnationalen Regierungen, der Weltgesundheitsorganisation, dem Europäischen Parlament, über 4200 zivilgesellschaftlichen Organisationen, mehr als 3000 Wissenschaftlern und Akademikern, 101 Nobelpreisträgern, mehr als 900 Parlamentariern aus aller Welt und vielen Unternehmen.

Das Ziel der Kampagne ist ein internationaler Vertrag, der auf drei Säulen ruht – der Nichtverbreitung, einer fairen Ausstiegspolitik und einem gerechten Übergang: Die Regierungen sollen gemeinsam einen Plan entwickeln, um die Kohle-, Öl- und Gasförderung nicht weiter auszuweiten und in gerechter Weise aus der bestehenden fossilen Brennstoffproduktion auszusteigen; dabei sollen die Länder gemäß ihren Fähigkeiten und ihrer historischen Verantwortung für Emissionen den Übergang am schnellsten vollziehen und andere Länder weltweit dabei unterstützen. Sie sollen die Wirtschaft diversifizieren und erneuerbare Energien beschleunigt einführen, damit keine Arbeitnehmer, Gemeinden oder Länder zurückgelassen werden.

Bisher haben über eine Million Menschen den Aufruf unterstützt, darunter das WhoisWho der globalen Klimabewegung: zu den „Treaty Champions“ zählen u.a. Naomi Klein, Kumi Naidoo, George Monbiot, Bill McKibben, Carlos Larrea, Lidy Nacpil, Meena Raman, Olivier De Schutter, Harjeet Singh und Steven Donziger.

OFFENER BRIEF AN DIE EU

Am 29.1.26 forderten über 120 Organisationen der internationalen Zivilgesellschaft in einem offenen Brief europäische Regierungschefs auf, die fossile Abhängigkeit von den USA abzubauen und die Konferenz in Santa Marta zu unterstützen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Oil Change International, Greenpeace International sowie das Netzwerk EU-LAT und der Mouvement Ecologique.

Andy Gherghiu, der Initiator des Briefes, dazu: „Eine fossile Abhängigkeit gegen eine andere auszuwechseln ist wie von Wodka zu Whiskey (oder besser Bourbon) zu wechseln und zu behaupten, man sei jetzt trocken. Wahre Souveränität heißt, frei von fossilen Energien zu sein!“[xv].

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Das Großherzogtum zählt sich zu den Freunden der BOGA, der COFFIS (siehe Kasten „Weitere Initiativen“) und zu den Unterstützern der „Erklärung von Belém über den gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen“ der COP30. Das ist vor allem für das Image gut. Aber was folgt daraus praktisch? Ausstieg aus dem Dieseltourismus für LKWs? Ende der Finanzierung von fossilen Projekten durch den Pensionsfonds? Mehr Verantwortungsbewusstsein für die Folgen seiner Emissionen und öffentliche Klimagelder zusätzlich zur Entwicklungshilfe?

 

Weitere Initiativen

BOGA

Zu den Unterzeichnern dieser „Erklärung von Belém“ gehören auch die Mitglieder der „Beyond Oil and Gas Alliance“ (BOGA),[xvi] einer internationalen Allianz von Regierungen und Interessengruppen, die gemeinsam daran arbeiten, den kontrollierten Ausstieg aus der Öl- und Gasförderung zu erleichtern: Dänemark, Costa Rica, Frankreich, Irland, Portugal, Spanien, Schweden sowie die Pazifikstaaten Marshall Islands, Samoa, Tuvalu und Vanuatu und einige substaatliche Regionen,  assoziierte Mitglieder und „Freunde“. Ins Leben gerufen von Dänemark und Costa Rica wollen sie das Thema des Ausstiegs aus der Öl- und Gasförderung in internationalen Klimadialogen stärker in den Vordergrund rücken und eine internationale Praxisgemeinschaft zu diesem Thema schaffen; auf einer Pressekonferenz auf der COP30 forderten sie einen Fahrplan zur Abkehr von den fossilen Brennstoffen. Luxemburg zählt zu den „Freunden“ von BOGA (was immer das auch heißt).

 

COFFIS (Coalition on Phasing Out Fossil Fuel Incentives Including Subsidies)

COFFIS, 2023 gegründet, ist eine Koalition von 18 Regierungen mit dem Ziel, Subventionen für fossile Brennstoffe schrittweise abzubauen: Österreich, Antigua und Barbuda, Belgien, Kanada, Kolumbien, Costa Rica, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Neuseeland, Spanien, die Schweiz, das Vereinigte Königreich, Kolumbien und die Marshallinseln.

Die Mitglieder verpflichten sich, Transparenz über ihre eigenen Subventionen für fossile Brennstoffe zu schaffen, indem sie ein Verzeichnis veröffentlichen und einen methodischen Rahmen bilden, um damit Vergleichbarkeit zu ermöglichen.[xvii]

Das NGO-Netzwerk „Stop Fossil Subsidies“[xviii] begrüßt zwar die Initiative an sich, bemängelt aber geringe Transparenz, keine Richtlinien für Inventuren, um vergleichbar zu sein, und keine glaubwürdigen Pläne zum Ausstieg aus fossilen Energien. Damit riskiert COFFIS zu einem Instrument für greenwashing zu werden und Ländern zu ermöglichen, sich fortschrittlich zu geben, während sie weiterhin fossile Brennstoffe subventionieren.

 

IRENA

Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA)[xix] ist eine weltweite zwischenstaatliche Organisation für die Energiewende, die Länder bei ihrer Energiewende unterstützt. Sie stellt aktuelle Daten und Analysen zu Technologie, Innovation, Politik, Finanzen und Investitionen bereit und fördert die breite Einführung und nachhaltige Nutzung aller Formen erneuerbarer Energien, einschließlich Bioenergie, Geothermie, Wasserkraft, Meeresenergie, Solar- und Windenergie.

Im Februar 2026 waren 170 Staaten und die Europäische Union Mitglieder der IRENA. Bei der kommenden Klimakonferenz COP31 möchte die IRENA einen konkreten Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorlegen.

 

 Notizen und Referenzen : 

[i] Mehr Details zum Chevron/Texaco-Prozess in einer Artikelserie: Mirkes Dietmar, „Chevron/Texaco – Die unvollendete Geschichte eines Prozesses“, Brennpunkt, 310, Juli 2020. Aufrufbar unter: https://www.brennpunkt.lu/article/chevron-texaco-die-unvollendete-geschichte-eines-prozesses/ ; Mirkes Dietmar, „ 7 Jahre bis zum Urteil – Chevron/Texaco – Die unvollendete Geschichte eines Prozesses, Teil 2“, Brennpunkt, 312, Februar 2021. Aufrufbar unter: https://www.brennpunkt.lu/article/17-jahre-bis-zum-urteil-chevron-tecaco-die-unvollendete-geschichte-eines-prozesses-teil-2/ ; Mirkes Dietmar, „Ohrfeigen für die NGOs“, Brennpunkt, 318, September 2022. Aufrufbar unter: https://www.brennpunkt.lu/article/ohrfeigen-fur-die-ngos/

[ii] Milka Ruth, Ecuador agrees to pay Chevron after tribunal ruling as Amazon communities condemn “defeat for justice”, NationofChange, 10. Dezember 2025.  Aufrufbar unter: www.nationofchange.org/2025/12/10/ecuador-agrees-to-pay-chevron-after-tribunal-ruling-as-amazon-communities-condemn-defeat-for-justice/ (Zuletzt aufgerufen am 25. Februar 2026).

[iii] CAN-Europe, ISDS and Climate Justice [webinar], 29. Januar 2026. Aufrufbar unter: www.globalisdstracker.org

[iv] Amnesty International: Extraction Extinction, 2025.

[v] CarbonBombs, n.d., aufrufbar unter www.carbonbombs.org. (Zuletzt aufgerufen am 25. Februar 2026)

[vi] ClimateChangeTracker, n.d., aufrufbar unter: www.climatechangetracker.org (Zuletzt aufgerufen am 25. Februar 2026)

[vii] OilChange International: Planet Wreckers, Oktober 2025. Aufrufbar unter: https://oilchange.org/our-publications/

[viii] FossilFuelTreaty, „Governments of Colombia and The Netherlands Announce Co-hosting First International Conference on the Just Transition Away from Fossil Fuels as COP30 Text Drops with No Mention of Fossil Fuels“, Belem, 21. November 2025, aufrufbar unter:  www.fossilfueltreaty.org/first-international-conference

[ix] Ibid.

[x] Donado, Hector Miguel, Inside Colombia’s New 2035 Climate Plan: What You Need to Know, World Resources Institute, 2. Februar 2026. Aufrufbar unter: /www.wri.org/technical-perspectives/inside-colombia-climate-plan-2025-nationally-determined-contribution

[xi] Ministerio de Ambiente y Desarrollo Sostenible, Misión diplomática colombiana respalda Conferencia para la Transición de Combustibles Fósiles, 2026. Aufrufbar unter: www.minambiente.gov.co/mision-diplomatica-colombiana-respalda-conferencia-para-la-transicion-de-combustibles-fosiles/ (Zuletzt aufgerufen am 25. Februar 2026).

[xii] TransitionAwayConference, n.d. Aufrufbar unter: www.transitionawayconference.com

[xiii] Ibid.

[xiv] FossilFuelTreaty, „The Fossil Fuel Treaty Initiative: The Global Roadmap For The Just Transition To Phase Out Fossil Fuels”, n.d. Aufrufbar unter: https://www.fossilfueltreaty.org/#:~:text=THE%20FOSSIL%20FUEL%20TREATY%20INITIATIVE,negotiating%20a%20Fossil%20Fuel%20Treaty.

[xv] Oil Change International, „Over 120 civil society groups demand EU leaders phase out US fossil fuels in light of Trump’s fossil fuel imperialism“, 29. Januar 2026. Aufrufbar unter: wwwoilchange.org/news/eu-phaseout-us-fossil-fuels/ (Zuletzt aufgerufen am 25. Februar 2026)

[xvi] BeyondOilandGasAlliance, n.d.. Aufrufbar unter: www.beyondoilandgasalliance.org

[xvii] IISD, COFFIS | Coalition on Phasing Out Fossil Fuel Incentives Including Subsidies, n.d. Aufrufbar unter: https://www.iisd.org/coffis,

[xviii] StopFossilFuelsSubsidies, n.d., aufrufbar unter: https://stopfossilsubsidies.eu/

[xix] International Renewable Energy Agency, n.d., aufrufbar unter: www.irena.org/

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